Gynäkologie

In den letzten Jahren hat die Wissenschaft erkannt, dass das Mikrobiom – die Gesamtheit der Mikroorganismen, die unseren Körper besiedeln – nicht nur eine „bakterielle Flora“ ist, sondern ein echtes metabolisches und immunologisches Organ.

Forschungen haben gezeigt, dass die verschiedenen mikrobiellen Ökosysteme des menschlichen Körpers keine vollständig isolierten Kompartimente sind; vielmehr kommunizieren sie bidirektional miteinander. In diesem Zusammenhang stützt eine wachsende Zahl von Studien die Existenz einer funktionellen Verbindung zwischen dem Darm und der Vagina.

Darm- und Vaginalmikrobiota: ein stiller, aber wichtiger Dialog

Die Darm-Vagina-Achse

Die Vagina und der Darm sind miteinander verbundene Ökosysteme, wobei Laktobazillen im Zentrum des vaginalen Schutzes stehen.

Einige im Darm vorkommende Laktobazillenarten können die vaginale Mikrobiota kolonisieren oder „auffrischen“, dank:

  • der anatomischen Nähe des Perinealbereichs,
  • der natürlichen mikrobiellen Migration (vom Rektum zur Vagina),
  • der Rolle des mukosalen Immunsystems und der Darmmetabolite.

Diese bidirektionale Kommunikation ist als „Darm-Vagina-Achse“ bekannt und bildet die physiologische Grundlage für den Einsatz oraler Probiotika zur Unterstützung der genitalen Gesundheit.

Warum Laktobazillen so wichtig sind

In einer gesunden vaginalen Mikrobiota bilden Laktobazillen den wichtigsten „Verteidigungsblock“:

  • Sie produzieren Milchsäure und halten den vaginalen pH-Wert im sauren Bereich (3,5–4,5).
  • Sie sekretieren Bacteriocine und Wasserstoffperoxid mit antimikrobieller Wirkung.
  • Sie hemmen Pathogene wie Gardnerella vaginalis, Candida albicans und E. coli.
  • Sie modulieren mukosale Immunreaktionen.

Nicht alle Laktobazillen sind jedoch gleich: L. crispatus wird häufig mit einem „stabileren“ Profil der vaginalen Flora in Verbindung gebracht.

Bei Frauen im reproduktiven Alter ist Lactobacillus die dominierende Gattung, die in der Lage ist, einen sauren pH-Wert aufrechtzuerhalten und vor Infektionen zu schützen. Dennoch formt das hormonelle Milieu – und seine Schwankungen in den verschiedenen Lebensphasen einer Frau – ständig seine Zusammensetzung.

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